Wie schön war doch damals die Zeit in der Unternehmenskommunikation, als man noch vermeintlich sicher ein Unternehmensbild in der Öffentlichkeit zeichnen konnte. Wenige Unternehmenskommunikateure lieferten einem kleinen, ausgewählten Zirkel von Mediatoren ihre Botschaften. Diese verbreiteten im Idealfall unverändert die peinlich genau redigierten Unternehmensinformationen bei der jeweiligen Interessensgruppe.


Das Setting der Unternehmenskommunikation schien überschaubar: Wenige Sprecher verbreiteten kontrolliert die Botschaften an eine – meist bekannte – Anzahl von Multiplikatoren. Das half mit, die Vorstellung der Unternehmenskommunikateure über gezielt steuerbare Botschaften zur Beeinflussung der öffentlichen Meinungsbildung aufrecht zu erhalten.

Doch mit der steigenden Popularität der nutzergenerierten Medien bei Kunden und Mitarbeitern sehen sich die Kommunikationsexperten nun jedoch einem gänzlich anderen Szenario gegenüber: Marken und Unternehmensbilder werden nun vermehrt dezentral in vernetzten Dialogen zwischen Mitgliedern der Interessensgruppen gebildet. Hinzu kommt, dass sich auch die eigenen Mitarbeiter an diesen Dialogen aktiv beteiligen. Sie werden damit zu Laien-Unternehmenssprechern und tragen dazu bei, die Steuerbarkeit der Firmenbotschaften weiter aufzuweichen.

Die Unternehmens-Blackbox ist zu einem Plexiglaswürfel geworden. Die Kommunikation zwischen dem Unternehmen und der Öffentlichkeit läuft zum großen Teil an der etablierten Unternehmenskommunikation vorbei. Doch es wäre verfrüht, vom Tod der One Voice Policy zu sprechen. Vielmehr sollte man über eine Erweiterung und Anpassung dieses Konzepts nachdenken.

Eine One Message/Many Voices Strategie wäre ein solcher Ansatz, die scheinbar unversöhnlichen Ausrichtungen und Ziele von Sozialen Medien und Unternehmenskommunikation zu vereinen. Dafür ist es allerdings notwendig, dass sich die verantwortlichen Kommunikateure von ihrem Wording Fetisch verabschieden. Das Durchdeklinieren von Unternehmensbotschaften ist im nutzergenerierten Umfeld nicht angemessen, sogar schädlich. Denn der Dialog ist vielmehr durch schnelle Reaktionen, Spontaneität und Schnelllebigkeit geprägt. Gerade Mitarbeiter tragen Unternehmensbotschaften in unterschiedlichste Weise in Social Media weiter. Dennoch kann die Botschaft die gleiche bleiben. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass ein Media Training die Laien-Unternehmenskommunikateure – sprich Mitarbeiter – für die Unternehmensbotschaften sensibilisiert und im richtigen Umgang mit den Sozialen Medien schult.

Die Unternehmenskommunikation wird neben der klassischen Medienrelation immer stärker die Rolle eines Community Manager übernehmen müssen. Nur so können Kommunikateure den Dialog zwischen der Außenwelt und den Mitarbeitern moderieren und Informationen beisteuern.

Darüber hinaus wird die Unternehmenskommunikation auch die Funktion eines Trainers einnehmen müssen. Mitarbeiter sollten unbedingt den Rahmen einer One Message/Many Voices Policy kennen lernen. Dieser bietet nicht nur der Unternehmenskommunikation, sondern kann auch den Mitarbeitern selbst eine Comfort Zone. Sie erlernen den sicheren Umgang mit den nutzergenerierten Medien und können so souveräner im Web agieren. Mit der One Message/Many Voices Policy gelingt es Verantwortlichen, ihre Mitarbeiter aktiv in die Unternehmenskommunikation einzubinden und somit die stärkste Community des Unternehmens an der Verbreitung der eigenen Botschaften zu beteiligen.

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