Ungenauigkeit wird Social Media Monitoring und Web Analytics Tools oft vorgeworfen. Besonders Monitoring Tools haben mit dieser Bezeichnung zu kämpfen, da es immer Beiträge und Äußerungen geben wird, die nicht eindeutig vom Programm klassifiziert werden bzw. falsch zugeordnet werden oder unter Umständen gar nicht erfasst werden können.
Die Lösung kann nicht darin liegen, auf solche Programme zu verzichten bzw. sie mit statistischem Ballast zu überfrachten. Ebenso wenig ist es sinnvoll, wenn sich Forscher bei der Auswertung und Interpretation in immer differenzierteren Systematiken und Klassifikationen verlieren. Denn je mehr Interpretationen und „Handarbeit“ von den auswertenden Personen zu leisten sind, um möglichst alle Beiträge zuordnen und überprüfen zu können, desto weniger effizient sind diese Programme für Agenturen und Unternehmen. Die Frage nach einem positiven Grenznutzen stellt sich natürlich auch bei Social Media Monitoring Tools.

Wichtig in diesem Zusammenhang ist die Unterscheidung zwischen Ungenauigkeit und Unschärfe. Ungenauigkeit – definiert als alle Abweichungen der Forschungsergebnisse von der Realität – ist beispielsweise bedingt durch Fehler in der Modellspezifikation, Stichprobenfehler oder falsche Codierung. Unschärfe hingegen bedeutet die Abweichung realer Strukturen von vorgestellten, idealisierten Strukturen.

Im Falle von Social Media Monitoring Tools bedeutet Unschärfe, dass Beiträge nicht 100%ig unterscheidbar und zuzuordnen sind, da die verwendeten Begriffe selbst unscharf und nicht eindeutig unterscheidbar sind. Dazu gehören Typenbegriffe wie beispielsweise „Berater“, „Unternehmen“, „Service“ oder Eigenschaften wie „brauchbar“, „zufriedenstellend“, „sehr klein“ usw.
Unschärfe ist also ein Phänomen der sozialen Wirklichkeit und unseres Alltagdenkens selbst.
Wir würden uns in der Realität nicht zu Recht finden, wenn wir uns an präzisen Definitionen orientieren würden und nicht an Abstufungen mit unscharfen Grenzen. Zielgerichtet konstruieren wir Begriffe und bilden Typen, um das Wesentliche zu erfassen und uns nicht in Einzelfällen zu verlieren.

Es soll nicht der Eindruck entstehen, dass ein sauberes methodisches Vorgehen sowie adäquate Algorithmen, denen Analyseprogramme folgen, eine untergeordnete Bedeutung im Prozess der Datenerhebung und -auswertung haben. So lässt sich Ungenauigkeit durch Optimierung des Analyseprozesses verbessern, Unschärfe hingegen nicht.

Die Ergebnisse von Social Media Monitoring Tools sind deshalb nicht weniger wichtig und gewinnbringend für Unternehmen. Massendaten im Sinne von unzähligen Beiträgen auf vielerlei Plattformen sollen automatisch klassifiziert, strukturiert und übersichtlich dargestellt werden. In der Regel werden Tendenzen, Stimmungen, „Aufhänger“, Sentiments und Handlungsmuster erfasst und komprimiert dargestellt. In anschließenden Detailanalysen können dann spezifische Fragestellungen bearbeitet sowie Einzelfälle herausgegriffen werden.

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