Vergangenen Sonntag fiel mir beim Durchforsten meines E-Mail Spamordners eine Mail von lea@studivz auf. Lea forderte mich tatsächlich dazu auf, bei der Wahl für die StudiVZ Miss Bikini Wahl teilzunehmen. Ich dachte mir: “Was für ein armseliger Versuch, mich wieder mal auf dem früheren Netzwerkprimus zu locken.“ Ganz nach dem Motto: Wenn es nicht über eine innovative Plattform geht – dann eben über nackte Haut.
Meine persönliche Einschätzung zur Entwicklung von StudiVZ ist nicht nur wegen der Miss Bikini Wahl nicht gerade optimistisch. Waren vor zwei Jahren noch alle meine Kontakte bei StudiVZ, hat sich das Bild komplett gedreht. Mittlerweile befindet sich fast mein komplettes Netzwerk auf Facebook. Dass es sich bei dieser Erfahrung nicht nur um meine persönliche Beobachtung handelt, sondern um einen allgemeinen Trend, zeigen auch die neusten IVW & Ad Planner Zahlen. Da scheint nicht einmal mehr der Datenschutz Shitstorm gegen Facebook in Deutschland den VZlern weiterzuhelfen – Social Network Deutschland schaltet langsam von Rot auf Blau.
Dabei ist die Entwicklung nicht wirklich verwunderlich. So zeigt schon das Thema „Innovationen der Plattformen“, weshalb sich das Holtzbrinck Netzwerk im Sinkflug befindet. Die Innovationsgeschwindigkeit der VZler liegt weit hinter der des amerikanischen Herausforderers. Sei es nun der Buschfunk, die Applikationen oder der Chat – alle Innovationen wurden von der Konkurrenz sehr viel früher umgesetzt. Facebook ist schlichtweg der Innovationstaktgeber. Man muss sich nur einmal die öffentliche Reaktion in Deutschland auf neue Facebook Funktionen wie z.B. Places anschauen. Da frage ich mich: Wann hat StudiVZ in letzter Zeit mit einer Innovation solch eine Euphorie ausgelöst? Es scheint, als ob StudiVZ nur noch reagiert und weit davon entfernt ist, durch originäre Innovationen zu überzeugen.
Doch wie innovationsfreudig kann ein Netzwerk sein, in dem sich das Management-Karussell so ungesund schnell dreht. Nicht nur. dass erst im Juni der CTO Batlogg das Handtuch schmiss. Besonders der Chefsessel bei StudiVZ scheint ein Schleudersitz zu sein: Riecke, Riedel, Berger de Leon und wieder Riedel. Da stellt sich doch wirklich die Frage, welches Unternehmen innovativ sein kann, wenn die Geschäftsführung ständig wechselt.
Die mangelnde Innovationsfähigkeit von StudiVZ scheint nicht nur meine persönlichen Nutzungsgewohnheiten zu Gunsten des weitaus spannenderen Netzwerkes zu ändern. Anscheinend ist dies ein allgemeiner Trend der deutschen Social Network Nutzer, der die Holtzbrinck Plattform auf kurz oder lang in ein Vermarktungsproblem stürzen könnte.
Konnte StudiVZ in den vergangenen Jahren mit seiner bloßen Reichweite in Deutschland gegenüber dem US Konkurrenten bei vermarktungswilligen Kunden punkten, scheint sich dieses Argument langsam aber sicher in Luft aufzulösen. Fehlt das Reichweiten Argument, werden den StudiVZ Vermarktern langsam aber sicher die Argumente ausgehen, um ihren Geschäftskunden weiter Edelgruppen- und profile für teures Geld verkaufen zu können. Schließlich stellt ihr größter Konkurrent den Marken und Unternehmen die Oberflächen mit allen Funktionalitäten kostenlos zur Verfügung.
Ob die neue Angriffslust der VZler im Bezug auf den angekündigten Verdrängungswettkampf mit kleineren, regionalen Wettbewerbern wie den Lokalisten und der anscheinend klaren Abgrenzung der Zielgruppen (12-29 Jahren) eine geeignete Strategie ist, muss bezweifelt werden. Wer User nachhaltig abwerben möchte, braucht weitaus bessere Argumente wie eine Miss Bikini Wahl. StudiVZ hat sich zu lange auf den eigenen Lorbeeren ausgeruht und die eigene Plattform nicht vorangetrieben. Dadurch hat sich Facebook einen so großen Vorsprung herausarbeiten können, den StudiVZ nicht mehr aufholen kann. StudiVZ wird es einfach nicht schaffen, Facebook vom Aufstieg zum deutschen Marktführer abzuhalten.
Kommentare
26.August.10, 12:40 | erstellt von Jens
Deine Beobachtungen habe ich auch gemacht. Die ganzen Studies und u 30 User sind jetzt alle bei Facebook. Ältere und weniger netzaffine Leute gehen eher zu wer-kennt-wen.
Holtzbrink sollte schleunigst die VZ Netzwerke an Zuckerberg verhökern, bevor es zu spät ist.
p.s. Und, hast du denn jetzt mitgemacht beim Miss Bikini Wettbewerb? ;-)
27.August.10, 09:24 | erstellt von Maciej
Hallo,
die Verschiebung der Nutzung bestimmter “Social Networks” kann ich in meinem Bekanntenkreis auch feststellen – Tendenz geht hier eindeutig von VZ-Netzwerke in Richtung Facebook. Interessanterweise wollen nach und nach auch mehr Kontakte aus den “Business Networks” wie XING und LinkedIn sich auch in facebook verknüpfen.
Die Funktion Places würde ich allerdings nicht als ein Beispiel für Innovation von Facebook nennen – Foursquare, Gowalla, Friendticker haben gute Vorarbeit bei den ortsbasierten Web-Diensten geleistet.
Beste Grüße
Maciej
27.August.10, 10:38 | erstellt von Steffi
Hallo,
ich sehe das genauso. Der einzige Grund warum ich noch im Studi angemeldet bin, ist der, dass die Kommunikation in Gruppen besser funktioniert. Meine Stammtisch-Kommunikation läuft immer noch über darüber. Wir haben ja schon verschiedene Sachen ausprobiert, aber irgendwie können wir uns nie ganz vom Studi trennen ;)
Beim Studi bekommt man (in den meisten Fällen) nämlich noch eine Email geschickt, wenn jemand aus der Gruppe einen neuen Beitrag schreibt. Bei Facebook erscheint der Beitrag zwar in der Timeline, verschwindet dann aber irgendwann wieder. Außerdem dürfen die Meldungen bei Facebook nur eine bestimmte Länge enthalten.
Aber wer außer uns, nutzt dafür schon Social Networks ;)
Beste Grüße
Steffi
27.August.10, 17:55 | erstellt von Die Woche in Social Media (KW 34) « SocMed.de – Social Media Blog
[...] Nelles von About.Virtual-Identity fragt nicht zu Unrecht, ob die Zeit der VZ-Netzwerke vorbei sei. Schließlich habe er eine Mail zur [...]
27.August.10, 18:47 | erstellt von Fundstücke vom 27.08.2010 | daniel rehn – digitales & reales
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28.August.10, 11:08 | erstellt von Thomas
Ja ich denke das Thema ist gegessen, sollten schnell noch verkaufen. Wenn denn facebook überhaupt noch Interesse hat!
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