Das Tempo des Webs ist hoch. Jahr für Jahr werden im (und um das) Internet Innovationen hervorgebracht, die dann in Ausschnitten auf der Next Conference, die jährlich in Berlin stattfindet, bestaunt werden können. Manche mehr innovativ als andere. Doch es gibt Dinge, die bleiben selbst auf einer Internetkonferenz jedes Jahr gleich. Beispielsweise ein Andrew Keen, der alle Jahre wieder die Thesen seiner Vorredner präsentationsgewaltig in Frage stellt. Oder die Beobachtung, dass die lautesten Marktschreier nicht unbedingt die besten Innovationen in der Hand haben. Ein Review der vergangenen zwei Tage (17./18. Mai) auf der Next Conference in Berlin, die dieses Mal unter dem Motto “Data Love” stand.

Mehrwert durch Daten-Aggregation

Er ist klein, schmal und gehört zu den Leuten, die aus der Masse der Konferenzbesucher nicht gerade hervorstechen. Den Grund, warum er hier ist, präsentiert er auf unaufgeregte Art und Weise: Usman Haque, Gründer von Pachube, ein Online-Service, um in Echtzeit Daten von Sensoren zu teilen und darauf basierend eigene Applikationen entwickeln zu können. Nach dem Vorfall in Fukushima wurden in Japan viele Daten von privaten Geigenzählern hochgeladen, die Pachube mit Google Maps und Winddaten in einer App verknüpft hat, so dass die Nutzer sehen können, wo aktuell radioaktive Strahlung gemessen wird und wie sie sich ausbreitet.

Die Next11 als Inspirationsquelle

Auch Bertrand Duplat inspiriert mit dem Vortrag über sein Projekt “Les éditions volumiques”. Zusammen mit seinem Kollegen Étienne Mineur hat er sich gefragt, was die technologischen Innovationen und die dadurch veränderte Mediennutzung für das gute, alte Buch bedeutet und wie man die Leser auf neue Art und Weise involvieren kann. Dabei sind Bücher entstanden, die selbst ihre Seiten umblättern, aber auch Spiele, wie iPirates, bei dem das iPhone als interaktive Spielfigur auf einer Landkarte fungiert.

Vorträge außerhalb des Rampenlichts als Highlights

Die Faszination, neue Wege des Netzwerkzeitalters zu erforschen, wurde nicht nur bei den künstlerisch Kreativen, sondern besonders auch bei den Techies erkennbar. Da funkeln die Augen bei einem Jan Lehnhardt, der auf eine etwas wirre aber sympathische Art und Weise sein Projekt CouchDB vorstellt oder bei Isaac Z. Schlueter, der über Node.js spricht. Auch wenn es als Non-Techie nicht leicht ist, alles zu verstehen, fühlt man sich dabei der Zukunft näher, als bei den Vorträgen der “Großen”. Auf der Hauptbühne (International) verkaufen Marketingleute überwiegend jene Ideen, welche als Produkte die Aufmerksamkeit des Marktes schon gewonnen haben.

Unterhaltung auf der Hauptbühne

Nichtsdestotrotz gab es auch auf der großen Bühne einige – insbesondere unterhaltsame – Highlights. So hatte Andrew Zolty von der Kreativagentur Poke nebst BakerTweet – eine kleine Box, die Bäcker an der Wand installieren und auf einfache Art und Weise twittern können, wenn Croissants und Co gerade frisch aus dem Ofen kommen – einige weitere kreative Ideen in petto. Ein Tim Ferriss wusste sich und sein neuestes Buch “The 4-Hour Body” aufmerksamkeitsheischend zu inszenieren.

Die Highlights der Next11 sind für mich jedoch nicht die Self-Promoter, sondern die stillen Vorträge einiger kluger Köpfe außerhalb des großen Rampenlichts gewesen. Und natürlich die Gespräche vor, zwischen und nach den Vorträgen – schließlich geht es bei einer Konferenz neben Inspiration und Horizonterweiterung vor allem auch ums Networking.

Ein paar Bilder von der Next Conference findet ihr im Flickr-Album meines Kollegen Markus Schmeiduch. Außerdem gibt’s hier ein Video vom Interview mit Oliver Reichenstein (InformationArchitects), das Markus geführt hat.

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