Liest man so die amerikanischen und deutschen Social Media Blogs könnte man glatt den Eindruck gewinnen, Social Media kann für Unternehmen die eierlegende Wollmilchsau sein. Absatz steigern, Reputation bewahren und verbessern, Kundenservice verbessern, Produkte optimieren – Social Media kann demnach alles. Ob das nun für alle Bereiche auch wirklich im vollen Maße so zutrifft, möchte ich an dieser Stelle gar nicht weiter bewerten. Was mich viel mehr umtreibt ist die Frage, wer unternehmensintern diesen bunten Strauß von möglichen Social Media Initiativen koordiniert, welche je nach Einsatz in Ihrer Ausprägung sehr unterschiedlich sein können.

Besonders in großen Organisationen kann man intern sehr schnell den Überblick verlieren. Jede Abteilung und jeder Markt kocht da sein eigenes Süppchen. Schnell kann so ein heilloses Durcheinander entstehen, welches weder den Kunden noch dem Unternehmen selbst weiterhilft. Es stellt sich also die Frage, welcher Weg aus einem solchen aufkommenden Social Media Kommunikationschaos führen kann? Ein Weg zu einem strukturierten Vorgehen in großen Organisationen kann eine Instanz sein, die die unternehmensweite Verantwortung für Social Media trägt. Welche Aufgaben würden einer solchen hauptamtlichen Social Media Instanz dann zufallen? Ich sehe hier vier zentrale Aufgabenbereiche:

Koordinator

Eine Corporate Social Media Instanz sollte möglichst einen kompletten Überblick über alle offiziellen Kanäle des Unternehmen haben. Bestenfalls sollten bei ihr alle Fäden zusammenlaufen und koordiniert werden. Durch diese Koordination sollten Synergien zwischen den jeweiligen Initiativen erhöht werden, um dadurch die kritischste Ressource im Bereich Corporate Social Media zu schonen: das Personal. Neben den Synergien ist die koordinative Rolle aber auch erfolgskritisch im Bezug auf die Stringenz der externen Wahrnehmung des Gesamtauftritts des Unternehmens in Social Media.

Berater

Die Social Media Instanz muss in jedem Fall eine große Expertise im Bereich Social Media haben. Das bedeutet, sie sollte ein tiefes Verständnis rund um diesen Themenkomplex besitzen. Ein Wissen, welches sich nicht auf die Funktionalitäten der Plattformen beschränkt, sondern auf die Kommunikationslogiken im Bereich Social Media. Als Social Media Inhouse Berater muss diese Instanz der zentrale Ansprechpartner für alle Fragen zu dem Themenkomplex Corporate Social Media sein.

Cheftrainer

Eine weitere wichtige Aufgabe ist die Ausbildung. So muss diese Instanz der Social Media Cheftrainer des betreffenden Unternehmens sein. Diese Trainingsaufgabe umfasst die Ausbildung der Organisation im Bezug auf den Umgang mit nutzergenerierten Medien. Dabei bildet im besten Fall eine Social Media Governance den Bezugsrahmen für das Training. Hier werden die Rollen definiert, an denen sich dann die Ausbildungsart der verschiedenen Zielgruppen orientiert.


Qualitätsprüfer

Last but not least ist eine Social Media Instanz auch ein Prüfungsinstanz. Sie muss beurteilen, ob das jeweilige Konzept in die Dachstrategie passt. Das kann zum einen die Prüfung der Einhaltung eines geringsten Maßes an gemeinsamem Branding der jeweiligen Corporate Auftritte sein oder die Überprüfung, ob die jeweilige Initiative sinnvoll mit weiteren Corporate Initiativen zu verknüpfen ist. Dabei sollte es aber nicht darum gehen, dass die Social Media Instanz Verbote abgibt, sondern vielmehr Impulse zur Verbesserung äußert.

Meine eigene Erfahrung zeigt, dass eine solche Instanz gerade in großen Organisationen nur schwerlich von einer Person ausgefüllt werden kann. Hier wäre eine Stabstelle wahrscheinlich eine Lösung. Diese sollte sich am besten aus Vertretern der Marken -, der internen und der externen Unternehmenskommunikation zusammensetzen und sich als eigenständige Organisationseinheit dem Thema Corporate Social Media widmen. Sicherlich drängt sich hier die Frage auf, ob das nicht ein wenig zu früh und ein wenig zu aufwendig ist.

Zu früh ist es sicher nicht, denn der Kommunikationsmarkt und die Mediennutzung der Zielgruppe wartet nicht bis sich Unternehmen adäquat aufgestellt haben. Daher kann es gar nicht früh genug sein, passende interne Strukturen zu schaffen, um diesen Entwicklungsprozess angemessen betreuen zu können.
Ob der Aufwand schließlich zu hoch ist, muss jedes Unternehmen für sich entscheiden. Doch langfristig hilft eine Social Media Instanz eher Kosten zu sparen. Denn eine solche Instanz hebt Synergien, optimiert und legt Vorgehensweisen fest, welche langfristig helfen, aus einem kostenfressenden Kommunikations- Chaos einen kosteneffizienten Kommunikationsprozess zu machen.